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Es herrscht Fashionalarm in der Stadt. Mitte ist jetzt völlig mit gestylten Menschen vollgepackt, auf dem Bebelplatz finden die Schauen der bekannteren deutschen Designer statt, und auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof läuft gleichzeitig die Bread and Butter. Zwar sind die internationalen Einkäufer noch immer nicht aufgelaufen, das Ganze bleibt also eine nationale Anstrengung, aber immerhin – Fashion Designer finden für einige Tage die geballte Aufmerksamkeit in Berlin.
Sogar im ansonsten eher abgelegenen Neukölln läuft eine sehr spezielle Messe, bei the key geht es um ökologische Mode. Dabei denkt man natürlich sofort an friedensbewegte Ökos aus den 80ern, in extrem unsexy verwaschene Baumwolle gewandet. Doch inzwischen sollte sich natürlich einiges verändert haben, weshalb ich mich auf den Weg in die Karl-Marx-Straße mache.
In einem alten Verwaltungsgebäude läuft die Messe, die unter dem Motto new international tradeshow for green fashion and sustainable lifestyle steht. Durch den dunklen Hof geht es über eine kleine Eingangshalle über das ausgetretene Treppenhaus zwei Etagen nach oben, und dort muss ich mich erst einmal durch die lange Schlange drängen, die am Tresen nach Häppchen und Drinks ansteht.

Die einzelnen Boots liegen im Augenblick mehr oder minder verlassen, deshalb habe ich den perfekten Überblick. Unter Neonlicht findet sich dezenter Chic von Felicia & Melchior Moss aus Friedrichshain, deren Ansagen für die alle anwesenden Aussteller stehen können:
Respektvoller Umgang mit Mensch und Natur, Nachhaltigkeit und Qualität, hundert prozentige biologische Kontrolle, fairer Handel, weder Kinderarbeit noch Ausbeutung, Genmanipulation oder Umweltverschmutzung. Produziert wird deshalb auch nicht in China sondern in Berlin, ein regionaler Markt also, um die hehren Ziele erreichen zu können.
Natürlich gibt es immer noch langweilige Ökotreter und nicht sehr ansprechende Baumwollkleider zu sehen, und gerade deshalb ragen VildeSvaner aus Weimar mit ihren lässigen, weiten und bequemen Kleidern heraus, die sogar zeitlos elegant wirken. Anne Gorke und Antje Wolter nennen dies zurückhaltende Extravaganz im Alltag. Auch bei Ihnen ist die Fertigung im Atelier von Hand oder in ansässigen Textilbetrieben bereits während der Entwurfsarbeit das Ziel.
Die Designerin Olcay Krafft geht mit ihrer aufwendigen Abendgarderobe sogar noch einen Schritt weiter, ihre Arbeiten sind durchaus auch auf dem doch sehr bürgerlichen Bundespresseball vorstellbar. Auch hier gilt: Keine Pestizide, keine chemischen Bleichmittel, einfach nur hohe Qualität. In Zeiten der Krise, wo die Mittelklasse weg zu brechen droht, sicher ein gangbarer Weg um finanzkräftige Konsumenten zu überzeugen.
Denn Wegwerfprodukte werden womöglich bald der Vergangenheit angehören, und dies gilt sicher nicht nur in der Mode. Dies zeigt sich auch am Ausgang, wo ein riesiges Leuchtobjekt aus recyceltem Kunststoff eine ganze Wand einnimmt. Das Künstlertrio Bär + Knell stellt schon seit sieben Jahren in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Kunststoff-Recycling Objekte aus Recycling Kunststoff her, das in Berlin am sichtbarsten schmückt das Dach des ehemaligen Narva Geländes an der Warschauer Brücke.
Sogar im ansonsten eher abgelegenen Neukölln läuft eine sehr spezielle Messe, bei the key geht es um ökologische Mode. Dabei denkt man natürlich sofort an friedensbewegte Ökos aus den 80ern, in extrem unsexy verwaschene Baumwolle gewandet. Doch inzwischen sollte sich natürlich einiges verändert haben, weshalb ich mich auf den Weg in die Karl-Marx-Straße mache.
In einem alten Verwaltungsgebäude läuft die Messe, die unter dem Motto new international tradeshow for green fashion and sustainable lifestyle steht. Durch den dunklen Hof geht es über eine kleine Eingangshalle über das ausgetretene Treppenhaus zwei Etagen nach oben, und dort muss ich mich erst einmal durch die lange Schlange drängen, die am Tresen nach Häppchen und Drinks ansteht.

Die einzelnen Boots liegen im Augenblick mehr oder minder verlassen, deshalb habe ich den perfekten Überblick. Unter Neonlicht findet sich dezenter Chic von Felicia & Melchior Moss aus Friedrichshain, deren Ansagen für die alle anwesenden Aussteller stehen können:
Respektvoller Umgang mit Mensch und Natur, Nachhaltigkeit und Qualität, hundert prozentige biologische Kontrolle, fairer Handel, weder Kinderarbeit noch Ausbeutung, Genmanipulation oder Umweltverschmutzung. Produziert wird deshalb auch nicht in China sondern in Berlin, ein regionaler Markt also, um die hehren Ziele erreichen zu können.
Natürlich gibt es immer noch langweilige Ökotreter und nicht sehr ansprechende Baumwollkleider zu sehen, und gerade deshalb ragen VildeSvaner aus Weimar mit ihren lässigen, weiten und bequemen Kleidern heraus, die sogar zeitlos elegant wirken. Anne Gorke und Antje Wolter nennen dies zurückhaltende Extravaganz im Alltag. Auch bei Ihnen ist die Fertigung im Atelier von Hand oder in ansässigen Textilbetrieben bereits während der Entwurfsarbeit das Ziel.
Die Designerin Olcay Krafft geht mit ihrer aufwendigen Abendgarderobe sogar noch einen Schritt weiter, ihre Arbeiten sind durchaus auch auf dem doch sehr bürgerlichen Bundespresseball vorstellbar. Auch hier gilt: Keine Pestizide, keine chemischen Bleichmittel, einfach nur hohe Qualität. In Zeiten der Krise, wo die Mittelklasse weg zu brechen droht, sicher ein gangbarer Weg um finanzkräftige Konsumenten zu überzeugen.
Denn Wegwerfprodukte werden womöglich bald der Vergangenheit angehören, und dies gilt sicher nicht nur in der Mode. Dies zeigt sich auch am Ausgang, wo ein riesiges Leuchtobjekt aus recyceltem Kunststoff eine ganze Wand einnimmt. Das Künstlertrio Bär + Knell stellt schon seit sieben Jahren in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Kunststoff-Recycling Objekte aus Recycling Kunststoff her, das in Berlin am sichtbarsten schmückt das Dach des ehemaligen Narva Geländes an der Warschauer Brücke.
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Dienstag, Juni 30, 2009, 12:48 - Berlin
Geschrieben von Administrator
Einige Tage raus hier sind gar nicht schlecht, schon weil man sich bei der Rückkehr freut wieder da zu sein. [Ist ja bereits bei Ideal zum Klassiker geworden] Solange das so ist macht es nach wie vor Spaß in Berlin zu sein, nur darf man eben nicht zu lange am Stück hier verharren. Geschrieben von Administrator
Denn dann wird alles träge und fällt schwer, aber dies ist wohl an allen Orten dieser Welt gleich. Was solls, jetzt steht die Fashionweek an, die Stadt ist voller Modejunkies, Designern und Models, und es gibt die Tage sicher Einiges zu berichten.
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Donnerstag, Juni 25, 2009, 13:24 - Events
Geschrieben von Administrator
Früh aufstehen hat doch was. Zumindest wenn die Sonne bereits um 6 Uhr in die Wohnung knallt und ein Ausflug nach Brandenburg ansteht. Es geht zwar nicht an einen idyllischen See, aber dennoch ist es schön einmal die Stadt hinter sich zu lassen und über bereits dunkelgelbe Weizenfelder zu blicken. Geschrieben von Administrator
Das Ziel liegt in der Nähe von Fürstenwalde, es ist der größte Männerspielplatz Deutschlands. Bereits kurz vor 9 Uhr sehen wir das völlig umgepflügte Gelände. Hier also kann man Panzer fahren lernen. Zum Glück versinken wir bei diesem Dreh für canal + dank der stechenden Sonne nicht im Schlamm. Das Intro und die Schlussszene einer Berlin Dokumentation werden hier gedreht. Wehrmachtsoldatenoutfits, französische Offiziersuniform und historische Waffen mit Platzpatronen sind neben dem russischen Panzer die realistischen Requisiten. Die beiden Kameras sind bereit, das Team ist entspannt und gut gelaunt.
Denn hier wird zum Glück kein Krieg in Szene gesetzt, alles mutet eher wie eine Persiflage an. Der Krieg ist bereits zu Ende, die ehemals verfeindeten Soldaten verbrüdern sich, und eine blonde Jodelkönigin taucht zwischen den beiden Wehrmachtsoldaten und dem französischen Offizier auf.
Es wird noch eine Weile dauern bis die Dokumentation im Fernsehen zu sehen ist, und ob deutsche Zuschauer in den Genuss kommen steht noch nicht fest. Aber dies spielt heute keine Rolle, wichtig ist allein die Einhaltung des Zeitplans. Und da alles wie zuvor geplant abläuft sind wir bereits gegen Nachmittag wieder in Berlin, wo bereits die nächste Szene ansteht. Was will man mehr?
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Mosambik, dieses Land im Süden Afrikas, dessen 2000 Kilometer lange Küste am Indischen Ozean Tansania im Norden und Südafrika im Süden verbindet, hat in den letzten Jahren nicht für Schlagzeilen gesorgt. Früher, im letzten Jahrtausend, da war das anders. Es gab eine sozialistische Regierung, es gab Bürgerkrieg, und geblieben davon sind Unmengen Landminen. 70 Prozent der 20 Millionen Einwohner leben heute von weniger als einem Dollar am Tag, also unterhalb des Existenzminimums, und wenn man diese Fakten kennt ist es schwierig sich eine rege Kunstszene dort vorzustellen.
Doch es scheint sie doch zu geben. Denn die Botschaft des Landes zeigt in Kooperation mit dem Meinblau in dessen 120 m² großem Ausstellungsraum auf zwei Etagen die Ausstellung Neue Wege – Andere Gesten. Natürlich ausschließlich Werke von Künstlern des Landes, die einen Überblick über die dortigen Aktivitäten geben sollen.

Allerdings weiss ich nicht ob ich einfach zu satt bin, bereits zuviel gesehen habe oder nur zu anspruchsvoll bin, doch die Werke – Plastiken, Photographien und viel Malerei – haben mich nicht wirklich überzeugt. Vielleicht hat die Botschaft auch nur die falschen Künstler ausgesucht? Vieles erschien mir zu folkloristisch, um wirklich Interesse wecken zu können. Aber vielleicht ist genau dies typisch für Kunst aus Mosambik?
Ich könnte ja nochmals hingehen und einen zweiten Blick darauf werfen, bis zum 30. Juni besteht noch Gelegenheit dazu. Und im Rahmen der Mosambik Woche kann am 27. Juni im Kesselhaus zu Musik von Stewart Sukuma, Wazimbo, Mingas und Neymaen getanzt werden. Vielleicht verstehe ich die Kunst danach ja besser?!
Doch es scheint sie doch zu geben. Denn die Botschaft des Landes zeigt in Kooperation mit dem Meinblau in dessen 120 m² großem Ausstellungsraum auf zwei Etagen die Ausstellung Neue Wege – Andere Gesten. Natürlich ausschließlich Werke von Künstlern des Landes, die einen Überblick über die dortigen Aktivitäten geben sollen.

Allerdings weiss ich nicht ob ich einfach zu satt bin, bereits zuviel gesehen habe oder nur zu anspruchsvoll bin, doch die Werke – Plastiken, Photographien und viel Malerei – haben mich nicht wirklich überzeugt. Vielleicht hat die Botschaft auch nur die falschen Künstler ausgesucht? Vieles erschien mir zu folkloristisch, um wirklich Interesse wecken zu können. Aber vielleicht ist genau dies typisch für Kunst aus Mosambik?
Ich könnte ja nochmals hingehen und einen zweiten Blick darauf werfen, bis zum 30. Juni besteht noch Gelegenheit dazu. Und im Rahmen der Mosambik Woche kann am 27. Juni im Kesselhaus zu Musik von Stewart Sukuma, Wazimbo, Mingas und Neymaen getanzt werden. Vielleicht verstehe ich die Kunst danach ja besser?!
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Sonntag, Juni 21, 2009, 18:56
Geschrieben von Administrator
Keine Angst, diesmal geht es nicht um nackte Körper, sondern um Argentinien. Im Neurotitan wird noch bis zum 11. Juli die Ausstellung CARNE gezeigt. Und dieses spanische Wort bedeutet nun einmal Fleisch. Dieses Thema ist angesicht argentinischer Parrillas mit Unmengen Schweine- und Rinderfilets sicher nicht besonders überraschend. Doch wie die Streetart Kollektive Fase und Doma ihre bunten, lustigen, gewalttätigen und überraschenden Grafiken und Installationen präsentieren lohnt auf jeden Fall einen Besuch.Geschrieben von Administrator

Beide Gruppen kommen aus Buenos Aires, und beide sind flexibel was das Portfolio und die Anzahl der Gruppenmitglieder angeht. Grafiken, Videos, Installationen, Zeichnungen – ob gigantische Koteletts an Haken, die als Sitzgruppe verwendet werden können, oder ein Cluster von 10x10 cm großen Zeichnungen mit der BVG als Thema, alles wirkt frisch und aktuell. Und gerade diese Authentizität macht die Gruppen natürlich auch für Werbekunden wie Adidas interessant.
Dieser Mix aus Stilen, dieser Pragmatismus was die Verwertung angeht kann gut daran liegen dass Argentinien bereits 2001 Erfahrung mit der Krise gemacht hat. Damals brach die Wirtschaft zusammen, und als direkte Folge davon kam es zu einer Explosion in Kunst und Kultur. Der Auftakt der Europatournee dieser Ausstellung hat es jedenfalls geschafft, Interesse an Buenos Aires zu wecken.
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Jetzt hat sich doch noch jemand aufgeregt. Diesmal sind es die Nachbarn. Aber das ist ja nicht so ungewöhnlich.
Die in der Galerie Maud Piquion hängenden Photographien, die allerlei Getier und nackte Brüste zeigen, sorgen doch noch für Aufregung. Und ich dachte schon, niemand ließe sich noch schockieren. Doch jetzt hat sich ein Teil der Jüdischen Gemeinde zu Berlin als wenig liberal und tolerant geoutet.
Eine nüchterne, doch auch alarmierende Nachricht kam heute per Mail:
Jüdische Gemeinde will Galerieausstellung zensieren!
In der Brunnenstrasse gibt es einen Konflikt zwischen der Jüdischen Gemeinde und der neueröffneten Galerie MAUD PIQUION in Nachbarschaft einer Synagoge. Die junge französische Galeristin Maud Piquion zeigt in Ihrer Ausstellung “Vorspiel” ästhetisch verfremdete Frauen in Fotoarbeiten von Torsten Solin und Lisa Junghanss, einer Videokünstlerin. Die Jüdische Gemeinde fühlt sich von den Anblick der Kunstwerke gestört und verlangt, dass man diese bedecken soll. Maud Piquion hält dies für eine nicht akzeptable Zensur und wundert sich auch über die Art, wie dies mitgeteilt wird.
“Die gleiche Toleranz, die ich allen Religionsgemeinschaften entgegen bringe, erwarte ich auch von diesen. Es kann nicht sein, dass die Kunst jetzt zensiert werden soll, weil eine Gruppe orthodoxer Juden den Anblick nicht ertragen kann” sagt die Galeristin Maud Piquion.
Ob es bis zur Zensur kommt mag sich niemand auch nur vorstellen, doch es ist auffällig dass Religion mal wieder eine Rolle spielt. Sie mischt sich in den Alltag ein, und zwar auf sehr intolerante Art und Weise. Einfach Kunst weghaben zu wollen, nur weil nacktes Fleisch zu sehen ist, zeugt nicht von einer entspannten Haltung. Was geht dann erst mit Werbeplakaten, die zuviel zeigen? Sollen die alle übermalt werden? Und wer entscheidet denn überhaupt, wieviel Haut gezeigt werden darf? Wohin soll das führen? Kommen die Taliban jetzt nach Mitte?
Soweit ist es zum Glück noch nicht, die Nachbarn sind keine als Terroristen eingestufte Afghanen. Es ist das Skoblo Synagogue and Education Center im Minna-Schwarz-Haus in der Brunnenstrasse 33. Vom Jewish Berlin Guide werden seine Mitglieder als ultra-orthodox eingestuft, und diese Einschätzung scheint zumindest in diesem Fall ganz richtig zu liegen.
Vielleicht verwechseln die Ultra-Orthodoxen Kunst mit Pornographie. Sie denken sicher nicht darüber nach, dass selbst Pornographie in einer Galerie keine Pornographie mehr wäre, sondern eben Kunst. Ganz zu schweigen von den Photographien, um die es geht.
Was wir aber nicht vergessen sollten ist die Toleranz gegenüber anderen, auch den religiösen Menschen. Wer an Gott glauben kann soll dies tun. Das sollte allerdings jeder für sich selbst, andere bekehren oder von seinem Ansichten überzeugen muss er nicht. Soviel Toleranz sollte schon sein.
Die in der Galerie Maud Piquion hängenden Photographien, die allerlei Getier und nackte Brüste zeigen, sorgen doch noch für Aufregung. Und ich dachte schon, niemand ließe sich noch schockieren. Doch jetzt hat sich ein Teil der Jüdischen Gemeinde zu Berlin als wenig liberal und tolerant geoutet.
Eine nüchterne, doch auch alarmierende Nachricht kam heute per Mail:
Jüdische Gemeinde will Galerieausstellung zensieren!
In der Brunnenstrasse gibt es einen Konflikt zwischen der Jüdischen Gemeinde und der neueröffneten Galerie MAUD PIQUION in Nachbarschaft einer Synagoge. Die junge französische Galeristin Maud Piquion zeigt in Ihrer Ausstellung “Vorspiel” ästhetisch verfremdete Frauen in Fotoarbeiten von Torsten Solin und Lisa Junghanss, einer Videokünstlerin. Die Jüdische Gemeinde fühlt sich von den Anblick der Kunstwerke gestört und verlangt, dass man diese bedecken soll. Maud Piquion hält dies für eine nicht akzeptable Zensur und wundert sich auch über die Art, wie dies mitgeteilt wird.
“Die gleiche Toleranz, die ich allen Religionsgemeinschaften entgegen bringe, erwarte ich auch von diesen. Es kann nicht sein, dass die Kunst jetzt zensiert werden soll, weil eine Gruppe orthodoxer Juden den Anblick nicht ertragen kann” sagt die Galeristin Maud Piquion.
Ob es bis zur Zensur kommt mag sich niemand auch nur vorstellen, doch es ist auffällig dass Religion mal wieder eine Rolle spielt. Sie mischt sich in den Alltag ein, und zwar auf sehr intolerante Art und Weise. Einfach Kunst weghaben zu wollen, nur weil nacktes Fleisch zu sehen ist, zeugt nicht von einer entspannten Haltung. Was geht dann erst mit Werbeplakaten, die zuviel zeigen? Sollen die alle übermalt werden? Und wer entscheidet denn überhaupt, wieviel Haut gezeigt werden darf? Wohin soll das führen? Kommen die Taliban jetzt nach Mitte?
Soweit ist es zum Glück noch nicht, die Nachbarn sind keine als Terroristen eingestufte Afghanen. Es ist das Skoblo Synagogue and Education Center im Minna-Schwarz-Haus in der Brunnenstrasse 33. Vom Jewish Berlin Guide werden seine Mitglieder als ultra-orthodox eingestuft, und diese Einschätzung scheint zumindest in diesem Fall ganz richtig zu liegen.
Vielleicht verwechseln die Ultra-Orthodoxen Kunst mit Pornographie. Sie denken sicher nicht darüber nach, dass selbst Pornographie in einer Galerie keine Pornographie mehr wäre, sondern eben Kunst. Ganz zu schweigen von den Photographien, um die es geht.
Was wir aber nicht vergessen sollten ist die Toleranz gegenüber anderen, auch den religiösen Menschen. Wer an Gott glauben kann soll dies tun. Das sollte allerdings jeder für sich selbst, andere bekehren oder von seinem Ansichten überzeugen muss er nicht. Soviel Toleranz sollte schon sein.
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Es ist wieder mal ein ganz gewöhnlicher Abend. Vor einer Galerie stehen vielleicht 30 Menschen, holen sich am improvisierten Stand vor der großen Glasfront Bier oder trinken Weißwein. Alle plaudern angeregt. Drinnen, hinter dem großen Fenster, brennen Neonröhren erbarmungslos auf die Kunst herab, die alleine und einsam an den Wänden hängt.

Großformatige Photographie in stechend intensiven Farben. Fast nackte Mädchen, nur den Kopf von einem gewaltigen Tintenfisch bedeckt. Vögel flattern, Photoshop grüsst. Ist das Schockierend? Oder Ekel erregend? Hier wohl schon lange nicht mehr, denn niemand steht in der Galerie, keiner betrachtet die Kunst. Auch nicht den Wandtext von Lisa Junghanß, der die grellen Photographien von Torsten Solin gerade wegen seiner grandiosen Schlichtheit bloßstellt. Niemand hält sich in der Galerie auf, schließlich ist heute Vernissage. Da gibt es zu trinken.
Heute? An einem Dienstag? Das ist dann doch ungewöhnlich. Donnerstags, Freitags, ok, die üblichen Galeriewanderungen. Aber heute? Das Publikum besteht eindeutig nicht aus Touristen, es sind in der Mehrzahl diejenigen, denen Berlin seinen weltweiten Ruf verdankt: Künstler. Aus aller Welt hierher gekommen, denn nach wie vor macht es sich gut im Lebenslauf, in Berlin zu produzieren und auszustellen.
Auch die Galerie ist gewandert, von der Boxhagener in die Brunnenstrasse, von Friedrichshain nach Mitte, sie ist also mitten in die Galeriemeile der Stadt angekommen. Und der von Maud Piquion gewählte Auftakt ist sehr clever. Sie zeigt zunächst keine eigenen - also an die Galerie gebundenen - Künstler, sondern integriert Künstler anderer, befreundeter Galerien und bietet ihnen einen zusätzlichen Ort an. Das Ganze dann auch noch Vorspiel zu nennen ist genial. Die Aufmerksamkeit aller an die kooperierenden Galerien gebundener Strukturen ist ihr gewiss, und wenn die eigentliche Eröffnung Ressurrection am 26. Juni steigt die neue Galerie bereits bekannt.
Wie in den doch recht kleinen Räumen allerdings die so gar nicht White Cube kompatible Kunst von SP38 präsentiert werden soll ist eine Herausforderung, die wirklich neugierig macht. Darauf werden wir zwar noch eine Weile warten müssen, aber dann gibt es ganz sicher wieder etwas zu trinken, wahrscheinlich an einem Dienstag.

Großformatige Photographie in stechend intensiven Farben. Fast nackte Mädchen, nur den Kopf von einem gewaltigen Tintenfisch bedeckt. Vögel flattern, Photoshop grüsst. Ist das Schockierend? Oder Ekel erregend? Hier wohl schon lange nicht mehr, denn niemand steht in der Galerie, keiner betrachtet die Kunst. Auch nicht den Wandtext von Lisa Junghanß, der die grellen Photographien von Torsten Solin gerade wegen seiner grandiosen Schlichtheit bloßstellt. Niemand hält sich in der Galerie auf, schließlich ist heute Vernissage. Da gibt es zu trinken.
Heute? An einem Dienstag? Das ist dann doch ungewöhnlich. Donnerstags, Freitags, ok, die üblichen Galeriewanderungen. Aber heute? Das Publikum besteht eindeutig nicht aus Touristen, es sind in der Mehrzahl diejenigen, denen Berlin seinen weltweiten Ruf verdankt: Künstler. Aus aller Welt hierher gekommen, denn nach wie vor macht es sich gut im Lebenslauf, in Berlin zu produzieren und auszustellen.
Auch die Galerie ist gewandert, von der Boxhagener in die Brunnenstrasse, von Friedrichshain nach Mitte, sie ist also mitten in die Galeriemeile der Stadt angekommen. Und der von Maud Piquion gewählte Auftakt ist sehr clever. Sie zeigt zunächst keine eigenen - also an die Galerie gebundenen - Künstler, sondern integriert Künstler anderer, befreundeter Galerien und bietet ihnen einen zusätzlichen Ort an. Das Ganze dann auch noch Vorspiel zu nennen ist genial. Die Aufmerksamkeit aller an die kooperierenden Galerien gebundener Strukturen ist ihr gewiss, und wenn die eigentliche Eröffnung Ressurrection am 26. Juni steigt die neue Galerie bereits bekannt.
Wie in den doch recht kleinen Räumen allerdings die so gar nicht White Cube kompatible Kunst von SP38 präsentiert werden soll ist eine Herausforderung, die wirklich neugierig macht. Darauf werden wir zwar noch eine Weile warten müssen, aber dann gibt es ganz sicher wieder etwas zu trinken, wahrscheinlich an einem Dienstag.
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Traditionen kehren wieder, auch wenn sie lange verschwunden schienen. Denn Traditionen sterben nicht aus, nur weil sie eine Weile lang in der Versenkung verschwunden sind. Tradition transformiert sich, ist dem Wandel unterworfen und bleibt doch in ihrem Innersten gleich. Vielleicht hat Tradition auch viel mit Erinnerungen an Vergangenes zu tun, der Sehnsucht nach dem Gewohnten.
So wie sich Anfang der 90er in irgendwelchen verlassen Kellern und Wohnungen Montags-, Dienstags-, Mittwochs- und Donnerstagsbars entwickelten, die dann zu Cookies oder Ähnlichem durchstarteten, so gibt es auch heute wieder eine Montagsbar. Ob sich die Betreiber der Temporären Kunsthalle ihrer subkulturellen Vorläufer bewusst sind ist nicht bekannt und auch nicht wichtig. Der Übergang vom Kellerloch des Originals zur Eventlocation am leersten und widersprüchlichsten Platz dieser Republik zeigt in jedem Fall deutlich die Transformation der Stadt auf.
Diese Entwicklung kann man in kleinerem Maßstab auch Donnerstags in X-Berg auf sich einwirken lassen. Hier bringt einen der Fahrstuhl hinauf, dann noch eine Treppe und man steht auf einem grünen Dach. Vor sich den Blick auf Kreuzberger Dächer, ein weiteres Beispiel konstanter Veränderung. Denn der Kirchturm ist inzwischen von den Kuppeln der neuen Moschee eingerahmt, sichtbares Zeichen von Geschichte und Multikulti in der Architektur der Gläubigen.

An der Bar interessiert sich niemand dafür, das ist viel zu alltäglich. Verschiedene Szenen hier, mit unterschiedlichen Stilen und vielen Sprachen. Ein guter Mix, die Leute reden miteinander. Wenn es dann erst mal richtig heiß wird, die Sonne brezelt, alle schwitzen und stöhnen, dann ist in lauen Nächten bei kühlem Bier sicher BarBQ auf dem Dach angesagt. Ganz wie es die Tradition verlangt, es wird gegrillt!
So wie sich Anfang der 90er in irgendwelchen verlassen Kellern und Wohnungen Montags-, Dienstags-, Mittwochs- und Donnerstagsbars entwickelten, die dann zu Cookies oder Ähnlichem durchstarteten, so gibt es auch heute wieder eine Montagsbar. Ob sich die Betreiber der Temporären Kunsthalle ihrer subkulturellen Vorläufer bewusst sind ist nicht bekannt und auch nicht wichtig. Der Übergang vom Kellerloch des Originals zur Eventlocation am leersten und widersprüchlichsten Platz dieser Republik zeigt in jedem Fall deutlich die Transformation der Stadt auf.
Diese Entwicklung kann man in kleinerem Maßstab auch Donnerstags in X-Berg auf sich einwirken lassen. Hier bringt einen der Fahrstuhl hinauf, dann noch eine Treppe und man steht auf einem grünen Dach. Vor sich den Blick auf Kreuzberger Dächer, ein weiteres Beispiel konstanter Veränderung. Denn der Kirchturm ist inzwischen von den Kuppeln der neuen Moschee eingerahmt, sichtbares Zeichen von Geschichte und Multikulti in der Architektur der Gläubigen.

An der Bar interessiert sich niemand dafür, das ist viel zu alltäglich. Verschiedene Szenen hier, mit unterschiedlichen Stilen und vielen Sprachen. Ein guter Mix, die Leute reden miteinander. Wenn es dann erst mal richtig heiß wird, die Sonne brezelt, alle schwitzen und stöhnen, dann ist in lauen Nächten bei kühlem Bier sicher BarBQ auf dem Dach angesagt. Ganz wie es die Tradition verlangt, es wird gegrillt!
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Donnerstag, Juni 11, 2009, 18:27 - Mitte
Geschrieben von Administrator
Ein grauer Tag mit noch graueren Wolken am Himmel, vom heftigen Wind in alle Richtungen getrieben. Es riecht frisch, denn das Grüne ist nass vom Regen, der ab und zu einsetzt. Ein Sonnenstrahl lässt sich kurz blicken, es ist abrupt hell und die Wärme kommt sofort an. Geschrieben von Administrator

Ich muß an den Strand des Yaam denken, wo wir bereits letzten Monat draußen saßen. Im weißen Sand, und ganz entspannt. Dem Ort also sehr angemessen, denn es ist ein Chiringuito in der Stadt, einer von vielen zwar, aber eben doch besonders. Besonders groß, besonders viele Freaks unterwegs [wie der große Dünne, der seit Stunden allein in Kreisenbahnen herumläuft und dabei immer ganz konzentriert auf den Boden starrt] und es läuft ganz bestimmt entspannte Musik. Von Plattenlegern und Sprechsängern, ganz egal.
Es wird langsam dunkel, und die Feuertonne wärmt die doch noch kalte Nacht. 20 Leute sitzen mit dem Blick zum Feuer. Der Typ, der bisher eher pilzig unterwegs war, beginnt am Tresen zu schnorren und trinkt jetzt Bier. Etwas später, vor der Tonne, im Zentrum also, beginnt er loszurappen. Auf deutsch, mit etwas brüchiger Stimme zwar, aber sehr routiniert. Ausladende Gebärden. Extreme Machosprüche. Frauenverachtung pur, aber den Mädels scheint es egal zu sein. Er wird einfach nicht ernst genommen. Komplett ignoriert. Aber irgendwie nervt er schon.
Als der Typ eine halbe Stunde später wieder anfängt, deutlich angesoffener nun, beginnt einer der drei Rastafaris, die bisher in ihren Liegestühlen lagen und stur ins Feuer blickten, mit seiner tiefen klangvollen Stimme zu singen. Recht leise erst, aber mit seinem bestimmten Rhythmus immer lauter werdend, bis einer seiner Kumpel mit einsteigt. Als sie sehen, dass der Typ sich verzieht, hören sie sofort auf und hängen wieder in ihren Stühlen. Also doch ein entspannter Ort.
Nachher steigt ein kleines feines Konzert im Bürgstübl: Klangschlacht Live!
Das ist dann wohl drinnen, auch wenn es grade mal nicht regnen sollte.
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Das Badewasser ist wohlig heiß. Mein Nacken blutet noch vom Schnitt der sehr scharfen, noch sehr neuen Rasierklinge. Das rote Blut vermischt sich mit dem nach Weleda-Badeöl riechenden Wasser.
Alles bio.
Alles öko.
Feine rote Blutfahnen durchziehen das transparente, dampfende Wasser, als das Telefon klingelt. Nein, ich möchte jetzt nicht zum Speisen in die Frarosa, nein, auch keinen Prosecco jetzt.
Lesen. Ich will lesen. Ein spanisches Buch, ein ganz besonderes Präsent, das in Ruhe genossen werden will. Doch ich bin leider schon raus, kann der Handlung nicht mehr folgen. Meine Konzentration ist hinüber. Denn schon wieder klingelt das Handtelefon.
Szenenwechsel, keine Frarosa mehr, Odessa ist jetzt angesagt. Also Bier und Wodka anstatt Wein, aber ob das besser ist? Noch kann ich mich nicht entscheiden, und ich muß mich auch gar nicht entscheiden. Die anderen haben sowieso einen uneinholbaren Pegelvorsprung. Ich bleibe einfach liegen und schenke mir noch klares kaltes Wasser nach. Davon mindestens zwei Liter am Tag, soll ja sehr gesund sein.
Und bio.
Und öko.
Was soll das nur werden? Schaffe ich demnächst sogar meine Telefone ab? Auch das Blutvergießen scheint gestoppt. Gibt es denn gar keine Exzesse mehr heutzutage?
Alles bio.
Alles öko.
Feine rote Blutfahnen durchziehen das transparente, dampfende Wasser, als das Telefon klingelt. Nein, ich möchte jetzt nicht zum Speisen in die Frarosa, nein, auch keinen Prosecco jetzt.
Lesen. Ich will lesen. Ein spanisches Buch, ein ganz besonderes Präsent, das in Ruhe genossen werden will. Doch ich bin leider schon raus, kann der Handlung nicht mehr folgen. Meine Konzentration ist hinüber. Denn schon wieder klingelt das Handtelefon.
Szenenwechsel, keine Frarosa mehr, Odessa ist jetzt angesagt. Also Bier und Wodka anstatt Wein, aber ob das besser ist? Noch kann ich mich nicht entscheiden, und ich muß mich auch gar nicht entscheiden. Die anderen haben sowieso einen uneinholbaren Pegelvorsprung. Ich bleibe einfach liegen und schenke mir noch klares kaltes Wasser nach. Davon mindestens zwei Liter am Tag, soll ja sehr gesund sein.
Und bio.
Und öko.
Was soll das nur werden? Schaffe ich demnächst sogar meine Telefone ab? Auch das Blutvergießen scheint gestoppt. Gibt es denn gar keine Exzesse mehr heutzutage?
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So eine ruhige Stadt. Klar, es ist Sonntag, da gibt es sowieso keinen Traffic-Jam. Doch es ist auch ein besonderer Sonntag, denn heute steigt zum 33igsten Mal die Fahrrad-Sternfahrt des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs.
Und heute sind die Straßen trotz miesen naßkalten Wetters vollgepackt mit Fahrrädern. Sie lassen sich nicht abschrecken vom Regen, sie kommen mit Kinderanhängern oder auf dem supersportlichen UltraLeichtLaufRennRad. Am Aktionstag der umweltfreundlichen und gutgelaunten Fahrradfahrer sind es nur die Autofanatiker, die manchmal ausflippen. Es kommt vor, dass einer von Ihnen auf die Radler zurast, schimpft, Schaum vor dem Mund hat, nur weil er mal ein paar Stunden mit seiner Blechkiste keine Vorfahrt erhält.

Immerhin sind alle großen Straßen ausnahmsweise ausschließlich für Fahrräder passierbar, zwar nur einen einzigen Vormittag lang, aber immerhin. Der ADAC, die Interessenvertretung der Autofreaks, ließ es sich deshalb auch nicht nehmen anzumerken, dass hier der freie Zugang zur Straße nicht für alle Verkehrsteilnehmer gewährleistet sei. Wohl wahr! An den übrigen 364,5 Tagen im Jahr wird allerdings alles dafür getan, dass in diesem autofetischistischen Land kein anderes Verkehrsmittel auch nur ansatzweise dieselbe Unterstützung erhält wie das Automobil.
Dabei könnte es doch jeden Tag so zugehen wie heute, zumindest in den Innenstädten:
Automobile werden nur im äußersten Notfall genutzt, denn meistens steckt ja sowieso jeder für sich alleine in seiner Blechbüchse im Stau fest. So mobil sind diese Fortbewegungsmittel schließlich gar nicht mehr. Es geht wohl mehr um Bequemlichkeit, Status und andere Sekundärtugenden.
Dann würde sich die Bevölkerung auch mehr bewegen, und zwar mit eigener Muskelkraft. Schließlich wird überall darüber geklagt die Deutschen würden immer fetter. Wer sich mit dem Fahrrad bewegt könnte von den Krankenversicherungen einen Bonus erhalten, während Autofahrer zusätzliche Gebühren zu zahlen haben. Das wäre fair, schließlich vergasen uns deren Motoren nicht nur langsam aber stetig, sondern die entstehenden Kosten werden auch noch sozialisiert, also allen – auch den Nicht-Autofahrern – aufgebürdet.
Gleichzeitig allerdings sollten dann die Öffentlichen wesentlich häufiger und günstiger fahren, und zwar rund um die Uhr. Nicht wie bei der S-Bahn zuletzt, wo die Menschen nicht in die überfüllten Züge einsteigen konnten, da diese immer seltener fahren.
Wir sind gespannt wie lange es noch dauert, bis sich an den Verkehrsverhältnissen Grundsätzliches ändert. Vielleicht kommt der Antrieb mit Wasserstoff, gewonnen aus der Produktion von Algen, schneller als erwartet und befreit uns wenigstens von den Abgasen und dem Lärm der Autos. Auch wenn dann immer noch jede Menge Blech in den Straßen stehen wird.
Und heute sind die Straßen trotz miesen naßkalten Wetters vollgepackt mit Fahrrädern. Sie lassen sich nicht abschrecken vom Regen, sie kommen mit Kinderanhängern oder auf dem supersportlichen UltraLeichtLaufRennRad. Am Aktionstag der umweltfreundlichen und gutgelaunten Fahrradfahrer sind es nur die Autofanatiker, die manchmal ausflippen. Es kommt vor, dass einer von Ihnen auf die Radler zurast, schimpft, Schaum vor dem Mund hat, nur weil er mal ein paar Stunden mit seiner Blechkiste keine Vorfahrt erhält.

Immerhin sind alle großen Straßen ausnahmsweise ausschließlich für Fahrräder passierbar, zwar nur einen einzigen Vormittag lang, aber immerhin. Der ADAC, die Interessenvertretung der Autofreaks, ließ es sich deshalb auch nicht nehmen anzumerken, dass hier der freie Zugang zur Straße nicht für alle Verkehrsteilnehmer gewährleistet sei. Wohl wahr! An den übrigen 364,5 Tagen im Jahr wird allerdings alles dafür getan, dass in diesem autofetischistischen Land kein anderes Verkehrsmittel auch nur ansatzweise dieselbe Unterstützung erhält wie das Automobil.
Dabei könnte es doch jeden Tag so zugehen wie heute, zumindest in den Innenstädten:
Automobile werden nur im äußersten Notfall genutzt, denn meistens steckt ja sowieso jeder für sich alleine in seiner Blechbüchse im Stau fest. So mobil sind diese Fortbewegungsmittel schließlich gar nicht mehr. Es geht wohl mehr um Bequemlichkeit, Status und andere Sekundärtugenden.
Dann würde sich die Bevölkerung auch mehr bewegen, und zwar mit eigener Muskelkraft. Schließlich wird überall darüber geklagt die Deutschen würden immer fetter. Wer sich mit dem Fahrrad bewegt könnte von den Krankenversicherungen einen Bonus erhalten, während Autofahrer zusätzliche Gebühren zu zahlen haben. Das wäre fair, schließlich vergasen uns deren Motoren nicht nur langsam aber stetig, sondern die entstehenden Kosten werden auch noch sozialisiert, also allen – auch den Nicht-Autofahrern – aufgebürdet.
Gleichzeitig allerdings sollten dann die Öffentlichen wesentlich häufiger und günstiger fahren, und zwar rund um die Uhr. Nicht wie bei der S-Bahn zuletzt, wo die Menschen nicht in die überfüllten Züge einsteigen konnten, da diese immer seltener fahren.
Wir sind gespannt wie lange es noch dauert, bis sich an den Verkehrsverhältnissen Grundsätzliches ändert. Vielleicht kommt der Antrieb mit Wasserstoff, gewonnen aus der Produktion von Algen, schneller als erwartet und befreit uns wenigstens von den Abgasen und dem Lärm der Autos. Auch wenn dann immer noch jede Menge Blech in den Straßen stehen wird.
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Gestern bei Regen mit der prallvollen U-Bahn zum Kotti, wo die scheintoten Junkies den Bahnhof bevölkern, mit ihren irren Blicken Ausschau haltend nach dem Dealer und dem nächsten Schuß. Kein schöner Anblick, offene Wunden, Schorf und Eiter. Das vergnügungswillige Volk kurvt elegant um die Fertigen herum, zwei Welten die aneinander vorbei gleiten und außer der Location nichts miteinander zu tun haben.
Am Heinrichplatz dann ein privates Familientreffen, entspanntes Plaudern bei Gin mit Tonic, und einige Stunden später dann ab ins Picknick, diesen Teenyladen an der Friedrichstrasse, wo Khan mit der Magnetposse heute seinen Geburtstag feiert. Ein kleines Präsent für ihn, ein kurzer Plausch, doch mir ist es hier zu verraucht. Besonders auf dem kleinen Floor, wo Namosh absolut interessant und groovy den Rhythmus vorgibt, steht die Luft. Also beschließe ich mich weiterzubewegen, an einigen Opfern der Nacht vorbei

zum Bergstübl in der Invaliden. Nach einem langen Tag ein letztes Bier. Und einen Wodka, den Attila ausgibt bevor er geht. Dazwischen böse Töne aus dem Mund einer hübschen Frau. Ihr gehen die ganzen zugereisten Wixer auf den Sack. Während sie doch schon immer hier wohnt. Seit 31 Jahren, immer in Mitte.
Schade, sie ist hübsch und wirkt interesssant. Und ist doch nur verkniffen. Und nach eigener Aussage auch noch neidisch. Auf Porschefahrer, Macbook User und andere zugezogene Wessis. Dabei könnte sie vielleicht das alles auch erreichen, mit großer Leichtigkeit sogar wenn sie es wirklich wollte. Doch genau diese Leichtigkeit geht ihr leider absolut ab.
Sehr schade. Aber was soll man da noch sagen? Ihre Freundin dagegen ist wesentlich entspannter, und nüchterner noch, auch wenn sie dieselbe Meinung vertritt. Aber sie lächelt dabei, ist sehr nett und offen, sie ist echt knuffig. Und blond. Mit Piercing und Kampfhund. Wie aus dem Bilderbuch.
Am Heinrichplatz dann ein privates Familientreffen, entspanntes Plaudern bei Gin mit Tonic, und einige Stunden später dann ab ins Picknick, diesen Teenyladen an der Friedrichstrasse, wo Khan mit der Magnetposse heute seinen Geburtstag feiert. Ein kleines Präsent für ihn, ein kurzer Plausch, doch mir ist es hier zu verraucht. Besonders auf dem kleinen Floor, wo Namosh absolut interessant und groovy den Rhythmus vorgibt, steht die Luft. Also beschließe ich mich weiterzubewegen, an einigen Opfern der Nacht vorbei

zum Bergstübl in der Invaliden. Nach einem langen Tag ein letztes Bier. Und einen Wodka, den Attila ausgibt bevor er geht. Dazwischen böse Töne aus dem Mund einer hübschen Frau. Ihr gehen die ganzen zugereisten Wixer auf den Sack. Während sie doch schon immer hier wohnt. Seit 31 Jahren, immer in Mitte.
Schade, sie ist hübsch und wirkt interesssant. Und ist doch nur verkniffen. Und nach eigener Aussage auch noch neidisch. Auf Porschefahrer, Macbook User und andere zugezogene Wessis. Dabei könnte sie vielleicht das alles auch erreichen, mit großer Leichtigkeit sogar wenn sie es wirklich wollte. Doch genau diese Leichtigkeit geht ihr leider absolut ab.
Sehr schade. Aber was soll man da noch sagen? Ihre Freundin dagegen ist wesentlich entspannter, und nüchterner noch, auch wenn sie dieselbe Meinung vertritt. Aber sie lächelt dabei, ist sehr nett und offen, sie ist echt knuffig. Und blond. Mit Piercing und Kampfhund. Wie aus dem Bilderbuch.
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Inzwischen stehen auch die Gewinner des erstmals vergebenen DMY Awards fest. Sie wurden „für den Mut, zeitgenössischen Herausforderungen mit großer Experimentierfreude zu begegnen“ ausgezeichnet:
mischer´traxler (Wien/Österreich)
Sandberg Institute - Applied Art department (Amsterdam/Niederlande)
Walking-Chair Design Studio LYNfabrikken (Wien/Österreich, Aarhus/Dänemark).
Die Arbeiten aller drei Preisträger wurden bereits weiter unten detailliert geschildert. Sie werden vom 8. bis zum 31. August 2009 zusammen mit einer von der Jury zusammengestellten Auswahl im Bauhaus-Archiv zu sehen sein.
mischer´traxler (Wien/Österreich)
Sandberg Institute - Applied Art department (Amsterdam/Niederlande)
Walking-Chair Design Studio LYNfabrikken (Wien/Österreich, Aarhus/Dänemark).
Die Arbeiten aller drei Preisträger wurden bereits weiter unten detailliert geschildert. Sie werden vom 8. bis zum 31. August 2009 zusammen mit einer von der Jury zusammengestellten Auswahl im Bauhaus-Archiv zu sehen sein.
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Man muss es zugeben, den Nachwuchsdesignern oder, wie es ja offiziell heißt, den YOUNGSTERS, wird viel Platz eingeräumt. Die gesamte Riesenhalle der Arena steht zur Verfügung, und das macht schon mal viel her. Aber als Designer ist dies auch eine Riesenherausforderung, schließlich kann man in einem solchen Ambiente auch leicht untergehen. Den Barbies, die als Kickerfiguren armlos und an den Metallstangen aufgespießt in die Gegend lächeln, gelingt es aber auf jeden Fall Aufmerksamkeit zu erregen.
Am späten Abend, als kaum noch Menschen die Sicht verstellen, ist der Blick frei auf Details, und einige Schritte weiter fallen mir fragile, elegante, kleine, weiße Aluminiumtische auf, die kurz davor zu sein scheinen Richtung Hallendecke zu entschweben. Es sind drei verschieden große Prototypen des Schweden Daniel Onoksson, die leider noch nicht käuflich zu erwerben sind.
Schräg gegenüber ballen sich grüne, aus Baumwollfäden gewirkte Objekte. Sie erscheinen zerbrechlich, sind aber erstaunlich stabil und können sogar als Hocker verwendet werden. Doch dies ist nur eine Randerscheinung, eine Nebenfunktion sozusagen, denn eigentlich sind diese Objekte Indikatoren des Sonnenlichts. Jede der beiden auf dem Boden liegenden grünen Skulpturen ist das Resultat der Sonneneinstrahlung eines ganzen Tages. Konzeptdesign also, idea of the tree genannt, und wieder sind wir ganz nah an der Kunst - Resultat der überbordenden Genreüberlagerung. Der kleinere und dunklere Ballen hat weniger Sonne abbekommen, er wurde im März produziert. Der hellere und längere Hocker stammt aus dem Mai desselben Jahres. Noch ist die verwendete grüne Farbe nicht auf Chlorophyll basierend, denn dies wäre nicht dauerhaft genug. Doch dieser nächste Schritt, noch näher dran an natürlichen Prozessen, wird möglicherweise bald kommen.
Einige Meter weiter schlafen Menschen auf riesigen Kissenbergen, es wirkt bei eine gigantische Chillout Area, Messen sind eben doch auch anstrengend. Selbst auf den Toiletten finden sich noch Spuren von Design in Form von wasser- und chemiefreien Urinalen, die allerdings noch nicht vollkommen geruchlos arbeiten. Ökologische Denkweisen bestimmen jedenfalls auffallend viele Exponate, was auch bei drei weiteren Prototypen der Technischen Universität Zürich deutlich wird.

Diese FiDU Rotoren - dieselbe Technologie, die auch bei den Metallmöbeln von Oskar Zieta angewendet wird - werden demnächst im Windkanal weiterentwickelt und sollen einmal auf jedem Dach stehen. Dann werden diese kleinen Rotoren, die etwa zwei Meter Durchmesser besitzen, den Strom- und Warmwasserbedarf einer ganzen Familie decken. Das wird dann hoffentlich das Ende aller Atomstromphantasien der großen Stromkonzerne bedeuten.
Ganz am Ende, ziemlich ermattet von den vielen Eindrücken des Tages, bereits ein kühles Bier in der Hand, kann ich dann doch nicht widerstehen und kaufe mir ein weißes Alien von Sonia Slabon. Es schwebt und leuchtet so schön!
Am späten Abend, als kaum noch Menschen die Sicht verstellen, ist der Blick frei auf Details, und einige Schritte weiter fallen mir fragile, elegante, kleine, weiße Aluminiumtische auf, die kurz davor zu sein scheinen Richtung Hallendecke zu entschweben. Es sind drei verschieden große Prototypen des Schweden Daniel Onoksson, die leider noch nicht käuflich zu erwerben sind.
Schräg gegenüber ballen sich grüne, aus Baumwollfäden gewirkte Objekte. Sie erscheinen zerbrechlich, sind aber erstaunlich stabil und können sogar als Hocker verwendet werden. Doch dies ist nur eine Randerscheinung, eine Nebenfunktion sozusagen, denn eigentlich sind diese Objekte Indikatoren des Sonnenlichts. Jede der beiden auf dem Boden liegenden grünen Skulpturen ist das Resultat der Sonneneinstrahlung eines ganzen Tages. Konzeptdesign also, idea of the tree genannt, und wieder sind wir ganz nah an der Kunst - Resultat der überbordenden Genreüberlagerung. Der kleinere und dunklere Ballen hat weniger Sonne abbekommen, er wurde im März produziert. Der hellere und längere Hocker stammt aus dem Mai desselben Jahres. Noch ist die verwendete grüne Farbe nicht auf Chlorophyll basierend, denn dies wäre nicht dauerhaft genug. Doch dieser nächste Schritt, noch näher dran an natürlichen Prozessen, wird möglicherweise bald kommen.
Einige Meter weiter schlafen Menschen auf riesigen Kissenbergen, es wirkt bei eine gigantische Chillout Area, Messen sind eben doch auch anstrengend. Selbst auf den Toiletten finden sich noch Spuren von Design in Form von wasser- und chemiefreien Urinalen, die allerdings noch nicht vollkommen geruchlos arbeiten. Ökologische Denkweisen bestimmen jedenfalls auffallend viele Exponate, was auch bei drei weiteren Prototypen der Technischen Universität Zürich deutlich wird.

Diese FiDU Rotoren - dieselbe Technologie, die auch bei den Metallmöbeln von Oskar Zieta angewendet wird - werden demnächst im Windkanal weiterentwickelt und sollen einmal auf jedem Dach stehen. Dann werden diese kleinen Rotoren, die etwa zwei Meter Durchmesser besitzen, den Strom- und Warmwasserbedarf einer ganzen Familie decken. Das wird dann hoffentlich das Ende aller Atomstromphantasien der großen Stromkonzerne bedeuten.
Ganz am Ende, ziemlich ermattet von den vielen Eindrücken des Tages, bereits ein kühles Bier in der Hand, kann ich dann doch nicht widerstehen und kaufe mir ein weißes Alien von Sonia Slabon. Es schwebt und leuchtet so schön!
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Diesmal startet der Designtrip im Sandberg Institut im Heinz Minki – für seinen Biergarten mit legendären Fußballübertragungen berühmt – ganz in der Nähe der Arena. Im ersten Stock erwartet in beschaulich privater Atmosphäre das Sandberg Institut unter dem Motto Domestic Making. Ich bin pünktlich, und das wird sofort von Q Hisashi Shibata ausgenutzt, der mich mit wenigen, aber prägnanten englischen Worten zur Teilnahme an einer Performance auswählt. Ok, warum nicht, ist ja nicht das erste Mal, doch als er mir weiße krabbenartige Wulste um den Körper bindet fühle ich mich doch ein wenig beengt. Also bleibe ich einfach zenmäßig auf einem Stuhl sitzen, betrachte die an der Wand angebrachte Skulptur aus Kork und Hanffäden von A H Jakobs, die ebenfalls an einen Stuhl erinnert und harre der Dinge die da kommen sollen. Es erscheint der Meister mit einem ordentlichen Hemd, das einen Ghettoblaster verbirgt, sowie seine Muse, die schwarze Krabbententakel trägt. Beide barfuss, beide sehr konzentriert, bewegen sie sich langsam innerhalb der Zuschauer, die einen Kreis bilden und ihre Kameras schussbereit halten. Was soll ich tun? Keine Ahnung um was es geht, erst später erfahre ich aus dem Pressetext Schmuck und seine Verfremdung ständen im Mittelpunkt. Als die Muse mir mit ihren Krabbenscheren zu nahe tritt beginne ich mich zu verteidigen, schwarz gegen weiss, bis wir einen beinahe rituellen Tanz aufführen, und am Ende bei abebbenden Musik beide ermattet auf dem Boden liegen. Aufbrausender Beifall, zufriedener Meister, der mir das Video schicken wird – demnächst dann hier zu genießen – und schon steigt die Journaillengruppe in den Doppeldeckerbus Richtung Stilwerk.
Dort ist ein Acryltresen, der von Bombay Sapphire gesponsort ist, zu sehen, an der Decke im selben Blau gehaltene Flächen, von Aisslinger gestaltet. Sehr professionell, total durchdacht, dem Produkt entsprechend etwas kühl präsentiert, doch leider gibt es keine Drinks, sondern es geht zurück in den Bus.

Vielleicht ganz gut so, denn der nächste Halt erfordert schließlich weitere Konzentration. Bei System180 werden wir von Wibke Isenberg sehr charmant willkommen geheissen, sie präsentiert das ausschließlich in Berlin fabrizierte Regalsystem. Die verschiedenen Varianten – von edlem Wohnzimmerambiente bis zum poppigen Showcase – überzeugen, auch weil sich bald herausstellt dass hier auf Verarbeitungsqualität geachtet wird. Das Unternehmen entwickelte sich aus Projekten für den Martin Gropius Bau, wuchs langsam aber stetig und liefert nun von Schöneberg aus stabile Treppen nach Rom oder Kuppelzelte für asiatische Messen.
Doch es bleibt wenig Zeit, einen Espresso noch und dann wartet bereits das Terminal mit seien X-Rays zum Einchecken in der Koolhaas Kist, wie der stellvertretende niederländische Botschafter liebevoll den eindrucksvollen Bau seines berühmten Landsmannes nennt. Hier, ganz in der Nähe der Fischerinsel mit privilegiertem Blick auf die Spree, gibt es Häppchen, Wein und avantgardistische Kunst, die bei dem Gedränge und den Ansprachen fast ein wenig unterzugehen droht.

Dabei ist das Thema Material Sense sehr spannend, denn es weist in die Zukunft. Es geht um Materialien, die mit dem Menschen kommunizieren, ihre Umwelt beeinflussen oder umgekehrt von ihr beeinflusst werden. Klänge, Licht, Temperatur oder Energiefluss, alles ist wandelbar, nutzbar, und gar nicht mehr so futuristisch wie es klingt. Leider steht noch kein weiterer Termin der sehr informativen und spannenden Ausstellung fest.
Noch abgefahrener wird es im betahaus | am Moritzplatz in X-berg, denn dort zeigen Interface Designer was alles geht. Julia Werner hat das ultimative Tool für die Fernbeziehung entwickelt, den united-pulse ring, der es möglich macht den Puls des weit entfernten Liebsten jederzeit mittels eines Ringes zu spüren. Und das Airpiano von Omer Yosha erfreut sich regen Andrangs, denn wer möchte nicht einmal ganz ohne Vorkenntnisse, einfach so intuitiv Musik machen? Das klingt sogar ziemlich gut! Einfach mit beiden Händen langsam über das mit Infrarot Sensoren belegte Board fahren, und schon beginnt das Midiboard zu spielen. Auch beim Projekt Kreativ mal Pi Quadrat im Zendome ist intuitives Navigieren möglich. In der 360 Grad Kuppel, die gerade mit Kids vollgestopft ist, die sich alle für Hunde halten und laut bellen, kann man kleine Plastikchips in eine Box werfen, und schon färbt sich die Projektion an den Innenseiten der Kuppel entsprechend der Chipfarbe. Oder kurz den Raumschiff Orion-mäßigen Schalter drehen, und die Spiralen kreisen schneller an der Kuppelwand entlang. Hightech mit Spaßfaktor, benutzerfreundlich und interaktiv nutzbar, was will man mehr zum Spielen?
Dort ist ein Acryltresen, der von Bombay Sapphire gesponsort ist, zu sehen, an der Decke im selben Blau gehaltene Flächen, von Aisslinger gestaltet. Sehr professionell, total durchdacht, dem Produkt entsprechend etwas kühl präsentiert, doch leider gibt es keine Drinks, sondern es geht zurück in den Bus.

Vielleicht ganz gut so, denn der nächste Halt erfordert schließlich weitere Konzentration. Bei System180 werden wir von Wibke Isenberg sehr charmant willkommen geheissen, sie präsentiert das ausschließlich in Berlin fabrizierte Regalsystem. Die verschiedenen Varianten – von edlem Wohnzimmerambiente bis zum poppigen Showcase – überzeugen, auch weil sich bald herausstellt dass hier auf Verarbeitungsqualität geachtet wird. Das Unternehmen entwickelte sich aus Projekten für den Martin Gropius Bau, wuchs langsam aber stetig und liefert nun von Schöneberg aus stabile Treppen nach Rom oder Kuppelzelte für asiatische Messen.
Doch es bleibt wenig Zeit, einen Espresso noch und dann wartet bereits das Terminal mit seien X-Rays zum Einchecken in der Koolhaas Kist, wie der stellvertretende niederländische Botschafter liebevoll den eindrucksvollen Bau seines berühmten Landsmannes nennt. Hier, ganz in der Nähe der Fischerinsel mit privilegiertem Blick auf die Spree, gibt es Häppchen, Wein und avantgardistische Kunst, die bei dem Gedränge und den Ansprachen fast ein wenig unterzugehen droht.

Dabei ist das Thema Material Sense sehr spannend, denn es weist in die Zukunft. Es geht um Materialien, die mit dem Menschen kommunizieren, ihre Umwelt beeinflussen oder umgekehrt von ihr beeinflusst werden. Klänge, Licht, Temperatur oder Energiefluss, alles ist wandelbar, nutzbar, und gar nicht mehr so futuristisch wie es klingt. Leider steht noch kein weiterer Termin der sehr informativen und spannenden Ausstellung fest.
Noch abgefahrener wird es im betahaus | am Moritzplatz in X-berg, denn dort zeigen Interface Designer was alles geht. Julia Werner hat das ultimative Tool für die Fernbeziehung entwickelt, den united-pulse ring, der es möglich macht den Puls des weit entfernten Liebsten jederzeit mittels eines Ringes zu spüren. Und das Airpiano von Omer Yosha erfreut sich regen Andrangs, denn wer möchte nicht einmal ganz ohne Vorkenntnisse, einfach so intuitiv Musik machen? Das klingt sogar ziemlich gut! Einfach mit beiden Händen langsam über das mit Infrarot Sensoren belegte Board fahren, und schon beginnt das Midiboard zu spielen. Auch beim Projekt Kreativ mal Pi Quadrat im Zendome ist intuitives Navigieren möglich. In der 360 Grad Kuppel, die gerade mit Kids vollgestopft ist, die sich alle für Hunde halten und laut bellen, kann man kleine Plastikchips in eine Box werfen, und schon färbt sich die Projektion an den Innenseiten der Kuppel entsprechend der Chipfarbe. Oder kurz den Raumschiff Orion-mäßigen Schalter drehen, und die Spiralen kreisen schneller an der Kuppelwand entlang. Hightech mit Spaßfaktor, benutzerfreundlich und interaktiv nutzbar, was will man mehr zum Spielen?
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Design bestimmt diese Tage die Stadt, und zwar satt. Es gibt wieder viel zu sehen, es gilt sich Anregungen zu holen und endlich mal wieder aus dem Berliner Sumpf herauszuschauen, denn das DMY verspricht rege internationale Beteiligung. Also Akkreditierung beantragen und dann am Vormittag einfach hingehen. Und zwar diesmal zunächst nicht in die Arena in Treptow, sondern zur Ritterstrasse nach X-Berg.
Diese liegt laut Ansage der Veranstalter in Mitte, was nicht ganz den Tatsachen entspricht. Schließlich ist Kreuzberg zwar Teil des Zentrums der Stadt, aber noch lange nicht Mitte. Ich bin ziemlich sicher dass die Kreuzberger auch auf keinen Fall Mitte sein wollen, Mitte ist schließlich das neue Charlottenburg. Also spießig, glatt, langweilig und neureich. Was zwar auch nicht ganz stimmt, aber wir wollen die Ortsunkundigen jetzt nicht noch weiter verwirren. Auf jeden Fall bleibt Kreuzberg lieber X-Berg und wird nicht Mitte. Zwischen beiden Bezirken stand schließlich mal ganz in der Nähe der heutigen Design-Heimeligkeit die Mauer, und zwar am Moritzplatz. Dort stauten sich vor 20 Jahren die Trabbis auf ihrem Kurztrip in den Westen. Aber gut. Wir wollen nicht drauf herumreiten, schließlich ist das DMY ja international ausgerichtet, der Zukunft zugewandt und somit trendy, was soll also der piefige Blick auf längst Vergangenes?

Treten wir also bei den DMY Allstars ein, vorbei an fast freundlichem Security Personal, über den weiten betonierten Vorplatz hinter einem Metallzaun. Dieser öde Platz ist jetzt zum Glück mit einem gigantischen Rollrasen im Perserteppichstil bedeckt, dem Flying Grass Carpet. Er stammt aus Rotterdam, und hübsche hollandische Meisjes in karierten Trachten sitzen darauf, ihre Röcke in riesigem Rund drapiert. Sie lächeln und verschenken lekker Erdbeeren, wer will bekommt auch so früh am Tag bereits Prosecco. Ein schöner Empfang, nur leider ist es heute nicht mehr wirklich Sommer und der Kunstrasen wärmt auch nicht besonders.
Also weiter, den heiligen Designhallen entgegen, weiter in ein typisches Berliner Ensemble, den Gewerbehof. Dort stehen trotz der klirrenden Kälte Stuhlreihen vor einem roten sperrigen Sitzensemble, dem Walking Chair. Dort wird also die Pressekonferenz stattfinden, die wie erwartet 30 Minuten nach der angesetzten Zeit beginnt. So sind sie eben, die Künstler und Designer, zumindest in Berlin. Aber was solls, es gibt espresso doppio oder latte, und wer möchte erhält in praktischem Designerpäckchen auch einen kleinen Snack.
Dann geht es los, die Kamera der ARD läuft, auf dem Podium sitzen die Macher und erläutern routiniert auf deutsch und englisch was ganz ähnlich im Katalog und auf der Webseite steht. Da es ziemlich kühl ist dauert es auch gar nicht so lange, und anschließend beginnt sofort der Rundgang. Die Journalistenmeute steigt also die Treppen der alten Gewerbeimmobilie rauf und runter, ganz ohne Fahrstuhl, dafür aber mit Enthusiasmus und voller Neugierde.
Was blieb also hängen? Das ist selbstverständlich eine Frage, die nur sehr subjektive Antworten zuläßt, aber hier ist das schließlich zulässig. Im Tiefparterre zeigt das Designhuis Arbeiten aus Glas, sehr schön präsentiert in Rollcontainern, die auch im Krankenhaus oder einer Kantine stehen könnten. Unter sehr hellem Licht sind fein gearbeitete Stücke zu sehen, und es nicht klar es ob sich dabei um Lampen oder Dildos handelt. Alles erinnert an eine Galerie, und das ist sicher kein Zufall. Denn überhaupt ist Design meist gar nicht mehr von Kunst zu unterscheiden, und umgekehrt ist es natürlich genauso. Nun gut, manchmal ist die Funktionalität der Exponate noch festzustellen, oft aber ist die Sinnfreiheit sehr nah und scheint der angesagte Stil zu sein.
Zu den eindeutig funktionalen Werken gehören die dieses Jahr weiterentwickelten Sitzmöbel von Oskar Zieta, die besonders in weiß sehr edel und filigran aussehen. Oder die Filzmöbel von Fredrik Färg aus Schweden, besonders seine auch für den Einsatz auf Messen geeigneten Hocker, die nur mit einem Seil fixiert ihre Höhe verändern können. Das ist leicht und wirkt sehr frei, genau wie die Präsentation der Designhotels, die auf filigranen Tripods daherkommt und trotz oder gerade wegen modernster Technik in zwei schicke Alukoffer passt. Auch die schwarzen Rollos von Alina Aalto für iukbox verbreiten in all ihrer Schlichtheit Witz, denn die vier Motive Paris, Tokyo, Stockholm und Helsinki sind an den ausgeschnittenen Feldern zu erkennen und verbreiten eine nächtliche Atmosphäre.
Die Arbeit von Sarah Illenberger in Kooperation mit FSB könnte dagegen in jeder Kunstgalerie hängen, ihre als fossile Skulptur gestalteten Griffe und Klobürsten sind ein intelligenter und origineller Blickfang. Genauso wirken die Leuchtkästen der Vienna Design Week Embassy, bei denen Glasflakons zur Silhouette phantastischer Stadtlandschaft gruppiert sind, als ob sie für Museen konzipiert seien.
Es gibt sicher noch wesentlich mehr zu sehen, und wahrscheinlich wird jeder Besucher seine ganz persönlichen Favoriten besitzen. Gerade auch bei den DMY Youngsters in der Arena wird noch viel Neues zu entdecken sein.
Diese liegt laut Ansage der Veranstalter in Mitte, was nicht ganz den Tatsachen entspricht. Schließlich ist Kreuzberg zwar Teil des Zentrums der Stadt, aber noch lange nicht Mitte. Ich bin ziemlich sicher dass die Kreuzberger auch auf keinen Fall Mitte sein wollen, Mitte ist schließlich das neue Charlottenburg. Also spießig, glatt, langweilig und neureich. Was zwar auch nicht ganz stimmt, aber wir wollen die Ortsunkundigen jetzt nicht noch weiter verwirren. Auf jeden Fall bleibt Kreuzberg lieber X-Berg und wird nicht Mitte. Zwischen beiden Bezirken stand schließlich mal ganz in der Nähe der heutigen Design-Heimeligkeit die Mauer, und zwar am Moritzplatz. Dort stauten sich vor 20 Jahren die Trabbis auf ihrem Kurztrip in den Westen. Aber gut. Wir wollen nicht drauf herumreiten, schließlich ist das DMY ja international ausgerichtet, der Zukunft zugewandt und somit trendy, was soll also der piefige Blick auf längst Vergangenes?

Treten wir also bei den DMY Allstars ein, vorbei an fast freundlichem Security Personal, über den weiten betonierten Vorplatz hinter einem Metallzaun. Dieser öde Platz ist jetzt zum Glück mit einem gigantischen Rollrasen im Perserteppichstil bedeckt, dem Flying Grass Carpet. Er stammt aus Rotterdam, und hübsche hollandische Meisjes in karierten Trachten sitzen darauf, ihre Röcke in riesigem Rund drapiert. Sie lächeln und verschenken lekker Erdbeeren, wer will bekommt auch so früh am Tag bereits Prosecco. Ein schöner Empfang, nur leider ist es heute nicht mehr wirklich Sommer und der Kunstrasen wärmt auch nicht besonders.
Also weiter, den heiligen Designhallen entgegen, weiter in ein typisches Berliner Ensemble, den Gewerbehof. Dort stehen trotz der klirrenden Kälte Stuhlreihen vor einem roten sperrigen Sitzensemble, dem Walking Chair. Dort wird also die Pressekonferenz stattfinden, die wie erwartet 30 Minuten nach der angesetzten Zeit beginnt. So sind sie eben, die Künstler und Designer, zumindest in Berlin. Aber was solls, es gibt espresso doppio oder latte, und wer möchte erhält in praktischem Designerpäckchen auch einen kleinen Snack.
Dann geht es los, die Kamera der ARD läuft, auf dem Podium sitzen die Macher und erläutern routiniert auf deutsch und englisch was ganz ähnlich im Katalog und auf der Webseite steht. Da es ziemlich kühl ist dauert es auch gar nicht so lange, und anschließend beginnt sofort der Rundgang. Die Journalistenmeute steigt also die Treppen der alten Gewerbeimmobilie rauf und runter, ganz ohne Fahrstuhl, dafür aber mit Enthusiasmus und voller Neugierde.
Was blieb also hängen? Das ist selbstverständlich eine Frage, die nur sehr subjektive Antworten zuläßt, aber hier ist das schließlich zulässig. Im Tiefparterre zeigt das Designhuis Arbeiten aus Glas, sehr schön präsentiert in Rollcontainern, die auch im Krankenhaus oder einer Kantine stehen könnten. Unter sehr hellem Licht sind fein gearbeitete Stücke zu sehen, und es nicht klar es ob sich dabei um Lampen oder Dildos handelt. Alles erinnert an eine Galerie, und das ist sicher kein Zufall. Denn überhaupt ist Design meist gar nicht mehr von Kunst zu unterscheiden, und umgekehrt ist es natürlich genauso. Nun gut, manchmal ist die Funktionalität der Exponate noch festzustellen, oft aber ist die Sinnfreiheit sehr nah und scheint der angesagte Stil zu sein.
Zu den eindeutig funktionalen Werken gehören die dieses Jahr weiterentwickelten Sitzmöbel von Oskar Zieta, die besonders in weiß sehr edel und filigran aussehen. Oder die Filzmöbel von Fredrik Färg aus Schweden, besonders seine auch für den Einsatz auf Messen geeigneten Hocker, die nur mit einem Seil fixiert ihre Höhe verändern können. Das ist leicht und wirkt sehr frei, genau wie die Präsentation der Designhotels, die auf filigranen Tripods daherkommt und trotz oder gerade wegen modernster Technik in zwei schicke Alukoffer passt. Auch die schwarzen Rollos von Alina Aalto für iukbox verbreiten in all ihrer Schlichtheit Witz, denn die vier Motive Paris, Tokyo, Stockholm und Helsinki sind an den ausgeschnittenen Feldern zu erkennen und verbreiten eine nächtliche Atmosphäre.
Die Arbeit von Sarah Illenberger in Kooperation mit FSB könnte dagegen in jeder Kunstgalerie hängen, ihre als fossile Skulptur gestalteten Griffe und Klobürsten sind ein intelligenter und origineller Blickfang. Genauso wirken die Leuchtkästen der Vienna Design Week Embassy, bei denen Glasflakons zur Silhouette phantastischer Stadtlandschaft gruppiert sind, als ob sie für Museen konzipiert seien.
Es gibt sicher noch wesentlich mehr zu sehen, und wahrscheinlich wird jeder Besucher seine ganz persönlichen Favoriten besitzen. Gerade auch bei den DMY Youngsters in der Arena wird noch viel Neues zu entdecken sein.
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Die Nacht wird langsam kalt, doch es regnet immerhin nicht mehr. In der Nähe des Rosenthaler Platzes in der Brunnenstrasse kommt ein Typ auf ihn zu, leicht schwankend, aber keineswegs vollkommen betrunken. Dabei gut gekleidet, er wirkt fast sauber und frisch gewaschen. Stellt sich einfach vor ihn hin und sagt fast ohne Akzent:
Ich bin nicht von hier. Komme aus Bayern.
Er steht da und lächelt vor sich hin, etwa eine Armlänge weg, und stinkt dabei kaum nach Alk. Jedenfalls solange bis er doch etwas näher ran kommt und in seinem Hochdeutsch mit angetäuscheter bayerischer Satzmelodie weiterspricht.
Mir fehlen noch 1,50 Euro für ne Lasagne?!
Der Blick aus seinen braunen Augen verschwimmt leicht. Soll das die Mitleidsschiene unterstreichen? Überzeugend sieht er jedenfalls nicht aus.
Was kostet denn Deine Lasagne?
4,50!
Dann hast Du also 3 Euro?
Der PseudoBayer nickt stolz und erwartungsvoll einmal heftig mit dem ganzen Kopf. Er riecht die Lasagne schon.
Dann iss nen Döner. Bleiben Dir immer noch 50 Cent.
Lächelnd geht er weiter, schenkt dem Lasagnetypen keine Beachtung mehr und wundert sich nur, wie versnobt es inzwischen abgeht, hier, in Mitte, auf der Brunnenstrasse.
Ich bin nicht von hier. Komme aus Bayern.
Er steht da und lächelt vor sich hin, etwa eine Armlänge weg, und stinkt dabei kaum nach Alk. Jedenfalls solange bis er doch etwas näher ran kommt und in seinem Hochdeutsch mit angetäuscheter bayerischer Satzmelodie weiterspricht.
Mir fehlen noch 1,50 Euro für ne Lasagne?!
Der Blick aus seinen braunen Augen verschwimmt leicht. Soll das die Mitleidsschiene unterstreichen? Überzeugend sieht er jedenfalls nicht aus.
Was kostet denn Deine Lasagne?
4,50!
Dann hast Du also 3 Euro?
Der PseudoBayer nickt stolz und erwartungsvoll einmal heftig mit dem ganzen Kopf. Er riecht die Lasagne schon.
Dann iss nen Döner. Bleiben Dir immer noch 50 Cent.
Lächelnd geht er weiter, schenkt dem Lasagnetypen keine Beachtung mehr und wundert sich nur, wie versnobt es inzwischen abgeht, hier, in Mitte, auf der Brunnenstrasse.
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Spaziergang am Potsdamer Platz, es ist sonnig und kalt, es weht auch ein sehr heftiger wind.
Verlaufen in den Resten der ehemaligen Einöde, die jetzt eingezäunt und aufgeteilt ist. Drei BSR-Straßenkehrer, die rauchend gemeinsam mit ihren drei Kehrmaschinen Pause machten, konnten mir dann doch noch weiterhelfen:
„Hamburger Bahnhof? Nie gehört, und ich bin eingeborener Berliner. Ich kenne alle Haltestellen der BVG. Hamburger Bahnhof gibt’s nich. Du meinst den Hauptbahnhof?“
Und er zeigt zu dem riesigen Gebäude, das direkt hinter uns aufragte.
„Nein, das ist Kunst, keine Haltestelle. Dort trüben.“
Und ich zeigte auf den Bau, der hinter Zäunen auf der anderen Seite des Ufers zu sehen war und blaugrün schimmerte.
„Ach so. Kunst. Du kannst durch die Charité gehen.“
Das tat ich dann auch, vorbei an jungen Frauen mit Brillen, die an Mikroskopen saßen hinter den Glasscheiben und alle sehr konzentriert schauten, direkt in die Linse.
Verlaufen in den Resten der ehemaligen Einöde, die jetzt eingezäunt und aufgeteilt ist. Drei BSR-Straßenkehrer, die rauchend gemeinsam mit ihren drei Kehrmaschinen Pause machten, konnten mir dann doch noch weiterhelfen:
„Hamburger Bahnhof? Nie gehört, und ich bin eingeborener Berliner. Ich kenne alle Haltestellen der BVG. Hamburger Bahnhof gibt’s nich. Du meinst den Hauptbahnhof?“
Und er zeigt zu dem riesigen Gebäude, das direkt hinter uns aufragte.
„Nein, das ist Kunst, keine Haltestelle. Dort trüben.“
Und ich zeigte auf den Bau, der hinter Zäunen auf der anderen Seite des Ufers zu sehen war und blaugrün schimmerte.
„Ach so. Kunst. Du kannst durch die Charité gehen.“
Das tat ich dann auch, vorbei an jungen Frauen mit Brillen, die an Mikroskopen saßen hinter den Glasscheiben und alle sehr konzentriert schauten, direkt in die Linse.
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Sie saß in ihrem alten Polstersessel, dessen ehemals grüner Bezug abgewetzt war und einige helle Stellen zeigte. Ihre dünnen, knorrigen Beine wurden an den Oberschenkeln von einem rot geblümten, dünnen Stoffkleidchen verborgen. Ihre Füße steckten in ausgetretenen Schaftstiefeln von undefinierbarer Farbe, die zumindest bequem aussahen. Während sie behaglich die Beine ausstreckte und nach der vor ihr hingestellten Tasse Kaffee griff, sah sie ihn mit ihren immer noch strahlenden Augen an.
„Wie alt sind sie denn?“, fragte sie ihn.
„30. Daran hat sich seit gestern nichts geändert.“
„Haben Sie Kinder?“, fuhr sie fort, mit ihrer sich gegen Ende des Satzes leicht überschlagenden, krächzenden Stimme.
„Ja. Einen Jungen. Der ist bereits 12.“
„Wie alt ist der denn?“
„12“, wiederholte er mit lauterer Stimme. Gleichzeitig stellte er den brüllenden Fernseher leiser, denn er wollte die Gelegenheit zu einer Unterhaltung nutzen.
„Ich habe keine Kinder“, fügte sie hinzu. „Schaffen Sie sich bloß nicht zu viele davon an.“
„Das habe ich nicht vor“, erwiderte er.
„Sind Sie verheiratet?“, wollte sie wissen.
„Nein, das ist auch nicht notwendig.“
Schweigen trat ein, während sie nachdachte und von ihrem Kaffee nippte.
„Wie alt sind Sie?“ fing Sie wieder an.
„Immer noch 30.“
„Sie sind ja noch jung. Ich bin bereits 86. Wer weiß, ob Sie so alt werden. Haben Sie Kinder?“
„Ja, bereits 3.“
Sie sah ihn mit großen Augen an. „Sind Sie verheiratet?“
„Morgen werde ich heiraten.“ Er setzte, wie um sich selbst zu rechtfertigen, hinzu: „Das spart Steuern.“
„Ich weiß gar nicht, ob mein Mann noch lebt. Haben Sie ihn vielleicht gesehen?“
„Nein, leider nicht, ich habe ihren Mann noch nie gesehen. Hier ist er jedenfalls nicht.“
„Der ist bestimmt schon tot. Kennen Sie ihn? Martin Metzger. Ich heiße ja jetzt auch Metzger, obwohl ich mal Leving hieß.“
„Nein, ich kenne ihren Mann Martin Metzger nicht. Vielleicht ist er unten in der Eckkneipe?“
Sie schwieg und setzte nach einigen Minuten zu einer neuen Frage an. Er beobachtete sie und wußte, was jetzt kommen würde.
„Sind Sie verheiratet?“
„Nein, und ich habe das auch nicht vor.“
„Aber Sie haben eine Freundin?“
„Ja, schon, wir leben zusammen.“
„Haben Sie Kinder?“
„Meine Freundin hat einen Sohn.“
„Wie alt ist denn Ihre Freundin?“
„Die ist genauso alt wie ich, auch 30.“
„Und Ihr Sohn ist bereits verheiratet?“
„Aber nein, der ist doch erst 12. Das ist doch noch ein Kind.“
„12“, sinnierte sie. „Das ist noch zu jung zum Heiraten. Aber Sie, sind Sie denn verheiratet?“
Er atmete tief durch. „Ich bin bereits einmal geschieden. Deshalb habe ich nicht vor, noch einmal zu heiraten.“
„Da haben Sie ganz recht.“
Sie starrte in den Fernseher, wo Athleten ihre Bahnen in tiefblauem Wasser einer Schwimmhalle zogen.
„Wie alt sind Sie?“, wollte Sie dann wissen.
„Wie alt sind sie denn?“, fragte sie ihn.
„30. Daran hat sich seit gestern nichts geändert.“
„Haben Sie Kinder?“, fuhr sie fort, mit ihrer sich gegen Ende des Satzes leicht überschlagenden, krächzenden Stimme.
„Ja. Einen Jungen. Der ist bereits 12.“
„Wie alt ist der denn?“
„12“, wiederholte er mit lauterer Stimme. Gleichzeitig stellte er den brüllenden Fernseher leiser, denn er wollte die Gelegenheit zu einer Unterhaltung nutzen.
„Ich habe keine Kinder“, fügte sie hinzu. „Schaffen Sie sich bloß nicht zu viele davon an.“
„Das habe ich nicht vor“, erwiderte er.
„Sind Sie verheiratet?“, wollte sie wissen.
„Nein, das ist auch nicht notwendig.“
Schweigen trat ein, während sie nachdachte und von ihrem Kaffee nippte.
„Wie alt sind Sie?“ fing Sie wieder an.
„Immer noch 30.“
„Sie sind ja noch jung. Ich bin bereits 86. Wer weiß, ob Sie so alt werden. Haben Sie Kinder?“
„Ja, bereits 3.“
Sie sah ihn mit großen Augen an. „Sind Sie verheiratet?“
„Morgen werde ich heiraten.“ Er setzte, wie um sich selbst zu rechtfertigen, hinzu: „Das spart Steuern.“
„Ich weiß gar nicht, ob mein Mann noch lebt. Haben Sie ihn vielleicht gesehen?“
„Nein, leider nicht, ich habe ihren Mann noch nie gesehen. Hier ist er jedenfalls nicht.“
„Der ist bestimmt schon tot. Kennen Sie ihn? Martin Metzger. Ich heiße ja jetzt auch Metzger, obwohl ich mal Leving hieß.“
„Nein, ich kenne ihren Mann Martin Metzger nicht. Vielleicht ist er unten in der Eckkneipe?“
Sie schwieg und setzte nach einigen Minuten zu einer neuen Frage an. Er beobachtete sie und wußte, was jetzt kommen würde.
„Sind Sie verheiratet?“
„Nein, und ich habe das auch nicht vor.“
„Aber Sie haben eine Freundin?“
„Ja, schon, wir leben zusammen.“
„Haben Sie Kinder?“
„Meine Freundin hat einen Sohn.“
„Wie alt ist denn Ihre Freundin?“
„Die ist genauso alt wie ich, auch 30.“
„Und Ihr Sohn ist bereits verheiratet?“
„Aber nein, der ist doch erst 12. Das ist doch noch ein Kind.“
„12“, sinnierte sie. „Das ist noch zu jung zum Heiraten. Aber Sie, sind Sie denn verheiratet?“
Er atmete tief durch. „Ich bin bereits einmal geschieden. Deshalb habe ich nicht vor, noch einmal zu heiraten.“
„Da haben Sie ganz recht.“
Sie starrte in den Fernseher, wo Athleten ihre Bahnen in tiefblauem Wasser einer Schwimmhalle zogen.
„Wie alt sind Sie?“, wollte Sie dann wissen.
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Dienstag, März 03, 2009, 23:05 - Berlin
Geschrieben von Administrator
Das Leben, es fegt vorbei. Im Regen verwischen nicht nur die Konturen, auch die Sinne lösen sich in einzelne Tropfen auf. Hunger, Kälte, Anspannung in den Gesichtern, die zwischen GlasMarmor wandeln und die Leere der Konsumpaläste widerspiegeln. Immer weiter, auch wenn die Geldbörse längst leer, die Gedanken verflogen sind. Noch ein Bier, damit die Sinnentleerung erträglich bleibt. Heute wird nichts vom Tag übrigbleiben, nichts, was morgen noch nachvollziehbar wäre. Nasse Hosen trocknen wieder, breitgehämmerte Hirne gewöhnen sich nicht mehr an abwechslungsreiche Gedankengänge. Wohin? Der Technobraut mit dem Knackarsch nach? Warum nicht, aber selbst wenn die Lust überwältigt bleibt anschließend nur Leere übrig. Vertrauen ist unmöglich in der Kürze der Empfindungshektik. Allein in der Masse, die im Dauerstau steht und sich Abgase reinzieht. Permanente Dröhnung, Mobilität genannt. Das Ziel der Bewegung bleibt die Sicherung der Reproduktion, die nicht an ein und demselben Ort zu erreichen ist. Keep moving. Lächeln oder starre Maske, spielt das überhaupt eine Rolle? Nur, wenn genug Zeit bleibt, hinter das Lächeln zu schauen, es ins Innere der eigenen Empfindung einzulassen. Aber wir haben dazu kaum Gelegenheit. Zuviele Eindrücke zur selben Zeit, permanente Reizüberflutung führen zur Starre, die alles Weiterführende verhindert. Allerdings bleiben plötzliche Eruptionen nicht ausgeschlosssen. Garantieren sie den Reiz des Alltäglichen? Oder ist ein Mindestmaß an Ruhe, Geborgenheit nötig, damit genug Kraft zum Ertragen des alltäglichen Aufstehens vorhanden ist? Noch ein Bier, damit keine Langeweile aufkommt, mehr bpms, damit der Organismus gar nicht erst zur Pause kommt, die den gewohnten Leerlauf in Frage stellen könnte. Was bringt es, denkt das Hirn am Abend, daß mein dazugehöriger Körper den ganzen Tag Anstrengungen unternimmt, nur damit überhaupt etwas geschieht? Wieder einmal überlebt. Aber bin ich ruhiger, reicher, mächtiger geworden? Was soll die Macht, wenn sie Beziehungen zu anderen HirnKörpern auf Hierarchien aufbaut und damit zur Isolation des Einzelnen beiträgt? Was soll die Ruhe, wenn sie nicht zu uns führt? Wir sind reich an Fragen, ohne Antwort, denn mit Herumsitzen beim Bier ist noch selten etwas Konstruktives herausgekommen. Das Gegenteil ist der Fall. Immerhin. Ich gehe jetzt shoppen, dem Konsumrausch frönen, und wenn ich pleite bin nach Haus. Geschrieben von Administrator
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